Als 1758 durch den englischen Optiker John Dollond (1706-1761) die ersten Fernrohre mit achromatischen Objektiven in den Handel kamen und somit nun auch "farbenfreie" Linsenfernrohre dem Astronomen zur Verfügung standen ahnte wohl noch niemand, dass sich an dieser Linsenkombination bis in unsere Tage nichts prinzipielles mehr ändern würde. Bei diesen ersten Achromaten wurden die Flint- und Crownglas Linsen sich gegeneinander am Rand berührend in eine zumeist geschraubte Fassung verbaut.
Fraunhofer (1787-1826) konnte um 1812 eine deutliche Bildverbesserung durch eine stärkere Krümmung der inneren Konvexfläche der Crownglas Linse erreichen. Nun mussten Abstandsplättchen für einen ausreichenden Abstand des Linsenpaares sorgen um eine Berührung und der damit zwangsläufig verbundenen Entstehung von Newtonschen Farbringen zu vermeiden. Bei kleineren Objektiven wurde aber auch weiterhin die Kombination nach Dollond realisiert. Fraunhofer führte auch die bis heute bei höherwertigen Fernrohrobjektiven gebräuchliche Fassung mit Spannring ein.
1865 wurde die Bauform der Achromate abermals entscheidend verbessert. Die Firma C.A. Steinheil in München setzte das Flintglas vor das Crownglas, was aber eine stärkere Krümmung der streuenden Flintglaslinse bedeutete und somit auch höherer Kosten bei der Herstellung. Ich konnte mich selbst beim direkten Vergleich einer "Flint voraus" Steinheil- und einer klassischen Fraunhofer-Optik von deren Vorzügen in Punkto Schärfe und Brillanz überzeugen. Leider wird heute, wohl aus Kostengründen, wieder überwiegend der alte Fraunhofer-Typ bei den Astroobjektiven angeboten.
Um die Linsen bei stärkeren Erschütterungen gegen Verdrehen zu schützen wurden die Achromate schon sehr früh mit Kanadabalsam fixiert. Diese "verkitteten" Objektive verloren zwar einen Freiheitsgrad (Luftspalt) zur optischen Korrektur, waren dafür aber auch deutlich billiger in der Herstellung.
Abschließend sei noch auf die Weiterentwicklung dieser Steinheil-Objektive durch Dr. A. Sonnefeld (Zeiss) hingewiesen, den sog. Zeiss AS (Astro-Spezial) Objektiven. Auch diese Objektive sind "Flint voraus" aufgebaut und sind durch die Verwendung spezieller Glassorten sog. "Halbapochromate".
(Text u. Bilder J.Kost 02/2003, Grafik aus Fernrohre und ihre Meister bzw. Steinheil, Münchner Optik mit Tradition)
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