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Haserts lichtstarke Fernrohre aus Eisenach

Der Eisenacher Professor, Bruno Hasert ist vielen sicher durch seine exzellenten Mikroskop-Objektive ein Begriff. Er baute aber auch sehr interessante Fernrohre. Eines davon möchte ich hier vorstellen. Bereits 1889 erschien in den "Astronomischen Nachrichten" eine vielversprechende kleine Notiz von Herrn Bruns. Er beschreibt darin die beeindruckende Leistung eines kleinen 2" Refraktors, der mit einem völlig farbreinen Bild auch noch relativ eng stehende Doppelsterne zu trennen vermag. Bei dem besprochenen Teleskop handelt es sich um ein sogenanntes dialytisches Fernrohr. Ähnlich einem Medial-Fernrohr befindet sich bei dem vorgestellten Instrument am Fokusende einer einfachen  Konvexlinse ein Korrekturglied, welches aber gegenüber der Schupmann'schen Lösung aus einer verkitteten Linsengruppe besteht. Diese Gruppe aus zwei Crown- und einer Flint-Glaslinse ist praktisch unmittelbar vor dem Okular angebracht (siehe Abbildung). Die Idee dieser Korrektur von einfachen Linsenfernrohren geht auf die Optiker Simon Plößl in Wien und Roger in England zurück. Um 1833 standen den Astronomen die ersten dieser dialytischen Fernrohre zur Verfügung.  In Prof. Bruno Haserts Preisliste von 1890 werden die neuen Fernrohre wie folgt beschrieben: "Da die von mir erfundenen neuen Fernrohre folgende Verhältnisse zwischen Focus und Oeffnung der Objectivgläser bei vorzüglicher Bildschärfe gestattet, so ergiebt sich gegen die altgebräuchlichen Verhältnisse der terrestrischen Fernrohre, wo die Oeffnung kaum die Hälfte der hier angeführten betrugen, eine ganz bedeutende Steigerung der Lichtstärke meiner neuen Form gegen die alte. Ausser diesem Vorteil meiner Fernrohre durch die kurzen Brennweiten der Objective, lassen sich auch sehr stark wirkende Fernrohre noch in leicht portabler Größe herstellen, und die Gesichtsfelder derselben erweitern sich bei gleichen Vergrösserungen bis auf den doppelten Durchmesser der alten Form. Es ergeben sich also hieraus folgende Vortheile, dass man bei geringer Länge und leichter Portabilität des Fernrohres grosse Lichtstärke mit relativ starken Vergrösserungen und grossem Gesichtsfelde erhält, welches drei wichtige Punkte beim Gebrauche des Fernrohrs sind." (Courant von 1890. Eisenach). Bei dem abgebildeten Fernrohr handelt es sich um das Modell Nr.5 (siehe Preisliste) mit 3" Öffnung und 20" Brennweite. Es ist sogar noch die eigenhändige Rechnung von Bruno Hasert vom 26.08.1890 vorhanden, wonach das Teleskop mit Kasten, Stativ und Verpackung für 212,70 Mark an einen Pfarrer Kienzle verkauft wurde. Eine so genaue Datierung ist ein Glücksfall und sehr selten.  (J.Kost 03/2010)

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 10. Juni 2010 um 08:31 Uhr