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Karl Satori und seine Astromontierungen


Eine alte Mappe, die ich vor ein paar Jahren kaufen konnte, machte mich auf den Wiener Instrumentenbauer Karl Satori (1871-1954) aufmerksam. Die Mappe beinhaltet einige sehr alte Originalfotografien astronomischer Instrumente von denen ich hier anhand von drei  Beispielen Satori’s ausgezeichnete Astromontierungen vorstellen möchte.

Auf Abbildung 1. ist eine zunächst relativ einfache wirkende Azimutalmontierung zu sehen. Schaut man sich nun aber die drei Rundgewichte an den Stativfüßen etwas genauer an so erkennt man deren eigenartige Befestigung. Sie werden über entsprechende Rollen beim Anheben der Montierung bewegt und dienen als Gegengewichte zum Instrument. Auf diese Weise kann das gesamte Fernrohr inklusive der Montierung spielend leicht angehoben oder gesenkt werden – genial! Auf der 2. Abbildung ist eine kleine parallaktische Montierung zu sehen. Interessant ist hier der Stundenantrieb, der wie es scheint bequem über einen Riemen zu bewegen ist. Auf der 3. Abbildung ist eine hochmoderne parallaktische Montierung für mittlere Refraktoren zu sehen. Diese Montierung ist bereits teilelektrifiziert (Abbildung 4) und kann sich mit Sicherheit mit den Zeiss`schen oder Steinheil`schen Montierungen der Jahrhundertwende messen. Die montierten Fernrohre auf den drei Abbildungen sind vermutlich nicht von Satori sondern erinnern sehr an späte Instrumente des Wiener Optikers Simon Plössl. Überhaupt passen diese alten Holztuben nicht so Recht auf die modernen Montierungen Satori’s. Bei Interesse biete ich auf Anfrage gerne die Bilder in höherer Auflösung an.

In der “Fachzeitung der Uhrmacher, Juweliere, Gold- und Silberschmiede Osterreichs Nr. 5/1954“ findet sich folgende Biographie Satoris, die ich dem Leser hier ebenfalls nicht vorenthalten möchte:
“Karl Satori Am 8. März d. J. (1954) verstarb nach kurzem, schwerem Leiden im 83. Lebensjahr Herr Ing. Karl S a t o r i, der Nestor der österreichischen Uhrentechniker. Am 22. Juni 1871 in Marmoros-Szigeth Ungarn) geboren, kam er in jungen Jahren nach Wien, wo er sich technisch-physikalischen Studien zuwandte. Nach dem Abschluss dieser Studien war er zuerst als Ingenieur bei der Internationalen Elektrizitätsgesellschaft tätig und wurde dann von den Wiener Städtischen Elektrizitätswerken übernommen, wo er das Laboratorium aufbaute. Im Jahre 1912 gründete er ein eigenes Unternehmen, die “Präzisionswerkstätte für Mechanik und Uhrenbau“, und war lange Jahre Uhrmacher und Mechaniker der Wiener Universitätssternwarte. Schon als junger Mann interessierte er sich lebhaft für die Entwicklung der technischen Physik und begann mit dem Aufbau einer reichhaltigen Sammlung auserlesener physikalischer Apparate; diese Sammlung ermöglichte es ihm später, im eigenen Betriebe die für seine technischen Entwicklungsarbeiten nötigen physikalischen Untersuchungen durchzuführen. Sein Arbeitsgebiet umfasste die meisten Zweige der technischen Physik seiner Zeit, insbesondere Photometrie und Photographie, Röntgen- und Leuchtfarbentechnik, Schwachstrom- und später Radiotechnik, Meteorologie, Astronomie und Zeitmessung. Auf allen diesen Gebieten war Ing. Satori überaus gut bewandert und hat viele Beitrage von bleibendem Wert geschaffen. Aus seiner Werkstätte sind unter anderem Spektrographen, Mikrometer, Spezialokulare und parallaktische Montierungen für astronomische Fernrohre, ferner weit über 100 Präzisions-Pendeluhren und ganze Zeitdienstanlagen für Sternwarten und geodatische Institute des In- und Auslandes hervorgegangen. Und immer wieder überraschte Ing. Satori die Fachwelt mit Verbesserungen und Neuerungen, von denen nur die wichtigsten kurz aufgezahlt werden mögen: Ein Stern-Mikrometer, ein Pointierungs-Okular ein Zeitschalter mit elektrischem Selbstaufzug, ein Synchronisator für mechanische Fernrohrantriebe und insbesondere für die Uhrentechnik sein Quarzpendel und sein elektrischer Pendelantrieb. Allen Wienern ist wohl die von ihm im Jahre 1906 errichtete Zeitdienstanlage der Wiener Urania-Sternwarte bekannt. Alle Vorbeigehenden pflegten ihre Taschenuhren nach der großen Sekunden-Nebenuhr an der Straßenfront der Urania zu richten, und für die Teilnehmer des Wiener Fernsprechnetzes war viele Jahre lang das “Uraniazeit-Zeichen“ der Inbegriff genauer Zeit überhaupt. Nach dem Kriege wurde von Ing. Satori die zerstörte Zeitdienstanlage der Urania neu errichtet, und es spricht für die Güte des ersten Entwurfes, dass bei dieser Neuausführung die Grundzüge der vierzig Jahre alten Anlage unverändert übernommen werden konnten. Ing. Satori war eines der Gründungsmitglieder der Wiener Urania und hat zeitlebens an der Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse lebhaften Anteil genommen. Er war auch ein eifriges Mitglied verschiedener fachlicher Vereinigungen, so unter anderem des Ingenieur- und Architektenvereines des Elektrotechnischen Vereines und der Astronomischen Gesellschaft in Wien. In allen diesen Vereinen hat er durch rege Beteiligung an den technischen Diskussionen und insbesondere auch durch eigene Vortrage aus seinen Arbeitsgebieten sowie durch Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften beispielgebend mitgewirkt. Auch der Wiener Uhrmacherinnung gehörte er viele Jahre an und hat als geschätzter Lehrmeister in seiner Werkstätte eine große Zahl tüchtiger Uhrmacher und Feinmechaniker ausgebildet. Als Mensch war Ing. Satori von gewinnender Herzlichkeit. Sein reiches Wissen und sein nimmermüder Forschungseifer, die ihn bis in das hohe Alter hinauf begleiteten, machten den Verkehr mit ihm zu einer immer aufs neue ergiebigen Quelle von Anregung und Belehrung. So ist es kein Wunder, dass sein gastliches Haus in Grinzing viele Jahre hindurch der Treffpunkt aller prominenten Vertreter der technischen Entwicklung seines Faches war. Die Wiener Uhrmacherinnung, darüber hinaus alle Uhrmacher Österreichs, und insbesondere seine ehemaligen Lehrlinge, Schüler und Mitarbeiter werden Herrn Ing. Satori auch weiterhin ein ehrendes Andenken bewahren.“

 

Aus der “Fachzeitung der Uhrmacher, Juweliere, Gold- und Silberschmiede Osterreichs“ Nr. 5/1954.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 24. März 2010 um 09:15 Uhr