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Kometensucher aus Münchner Werkstätten

Zu einer besonderen Beobachtungsdisziplin der Astronomen gehörte im neunzehnten Jahrhundert das flächenhafte Absuchen des Himmels nach lichtschwachen Objekten. Hierbei war ein möglichst großes Gesichtsfeld bei einer nur schwachen Vergrößerung (meist nur 10x) gefordert. Bereits um das Jahr 1800 standen den Astronomen solche Instrumente zur Verfügung. Sie wurden zunächst überwiegend bei den berühmten englischen Instrumentenbauern Dollond, Troughton etc. geordert. Ab etwa 1810 standen auch leistungsfähige Kometensucher aus den Münchner Werkstätten der Firma Utzschneider & Fraunhofer zur Verfügung. Im Laufe der Zeit setzten sich diese Instrumente durch und wurden bald die erste Wahl auf allen europäischen Sternwarten. Im Folgenden möchte ich hier zwei Kometensucher der Münchner Werkstätten vorstellen.

 


Kometensucher der Bonner Durchmusterung (Merz & Söhne, München um 1850)

Eine wichtige Besonderheit der Kometensucher ist neben einer kurzen Brennweite und einem lichtstarken Objektiv vor allem ein großes Gesichtsfeld. Die hierfür verwendeten Okulare haben beeindruckende Ausmaße. So misst z.B. die Okular-Feldlinse eines Fraunhofer Kometensucher mit einer Öffnung von 76mm und einer Brennweite von 648mm beachtliche 65mm! Die Okular-Augenlinse misst immerhin noch 35mm im Durchmesser. Die Brennweite dieses Okulars beträgt 65mm, woraus sich eine 10x Vergrößerung errechnet. Das Öffnungsverhältnis des Instruments beträgt 1:8,5. Diese optischen Parameter ermöglichen dem Beobachter ein Gesichtsfeld von etwa 6° zu überblicken. Die Kometensucher der Münchner Werkstätten wurden über Jahrzehnte praktisch unverändert gebaut. Der in Abbildung 2 dargestellte Kometensucher ist parallaktisch montiert und mit Teilkreisen versehen. Er stand ursprünglich auf der Tübinger Schoss-Sternwarte und wurde von G.F. Bohnenberger (1765-1831) verwendet. Wie aus den ganz unten abgebildeten Preisverzeichnissen ersichtlich, konnten die Fernrohrtuben aber auch einzeln bestellt werden. So ist der von W.A. Argelander (1799-1875) bei der Bonner Durchmusterung verwendete Kometensucher auf einer Montierung des Instrumentenbauers Henkel befestigt. Ursprünglich besaß dieses Instrument ein Okular von Carl Kellner (1826-1855) aus Wetzlar (auf der Abbildung ist ein anderes Okular zu sehen).

Erst empfindliche Fotoplatten ersetzen im frühen zwanzigsten Jahrhundert diese anspruchsvolle Arbeit der Astronomen, bei der große Himmelsausschnitte nur mit dem geschulten Auge und einem Kometensucher durchmustert wurden. (Text u, Bilder J.Kost /11.09)



Kometensucher, Schloss-Sternwarte Tübingen (Utzschneider&Fraunhofer, München um 1814)





(aus Astronomisches Jahrbuch, 1817)




(aus Kunst und Gewerbeblatt, 1826)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. November 2009 um 20:50 Uhr